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Sonstige Nachrichten - Freitag, den 4 Mai 2018

Immunisierung – Die Universität Pécs (UP) spielt eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten

Laut Experten werden Impfungen immer wichtiger

Wie sich bei der internationalen Konferenz – organisiert von der Abteilung Operationale Medizin -  herausstellte, konnten die schweren Infektionskrankheiten durch die Impfungen nur unter Quarantäne gestellt, jedoch nicht endgültig besiegt werden. Die anerkannten Experten des Faches betonten: Im Zeitalter von Globalisierung und Massenmigration sind Impfstoffe wichtiger denn je.

 

Verfasst Miklós Stemler

 

Der Runde Tisch der Internationalen Immunisierung fand mit renommierten Teilnehmern an der Medizinischen Fakultät statt, unter anderem mit der Teilnahme der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des Ungarischen Nationalen Gesundheitsinstituts (OKI). Das war das herausragende Ereignis der weltweiten Impfwoche in Ungarn. Die Bedeutung des Themas wäre schwer zu überschätzen, da die Immunisierung, d.h. die Verbreitung von Impfstoffen, das Zeitalter der schweren Massenepidemien im Laufe des 20. Jahrhunderts beendete. Obwohl die gefürchteten Krankheiten wie Diphtherie, schwarze Pocken und Kinderlähmung heute nur aus literarischen Werken bekannt sind, bedeutet dies keineswegs, dass der Kampf in diesem Bereich beendet ist. Im Gegenteil, wie die Teilnehmer am Runden Tisch betonten, stellen Globalisierung, Massenmigration und Anti-Impfkampagnen neue, ernstzunehmende Herausforderungen dar.

Ebola nein, Masern ja

Dr. István Szilárd, Leiter der Arbeitsgruppe Migration und Gesundheit an der Abteilung Operationale Medizin und Ledia Lazeri, Leiterin des Ungarischen Büros der WHO, analysierten die Herausforderungen der Migration. Neben den vieldiskutierten wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Aspekten rückt das Gesundheitswesen in den Hintergrund, während Menschen aus den Ländern mit unterschiedlichem Entwicklungsstand ernsthafte Herausforderung an die medizinische Versorgung stellen. Obwohl es in den Medien viele unbegründete Gerüchte über lebensbedrohliche Krankheiten in Europa veröffentlicht wurden, ist das Risiko real, aber nicht ungewöhnlich. Flüchtlinge aus Ländern wo die Gesundheitssysteme wortwörtlich bombardiert wurden, können Infektionskrankheiten ausgesetzt sein, die in den entwickelten Ländern bereits unbekannt sind, was ernsthafte Probleme für die Gastländer darstellen kann, die nicht darauf vorbereitet sind. Nicht nur Flüchtlinge und Immigranten aus den Krisengebieten sind involviert. Durch Menschen, die aus einigen Regionen der Nachbarländer, vor allem aus Rumänien und aus der Ukraine stammen, wo die Rate der geimpften wesentlich geringer als in Ungarn ist, können Infektionskrankheiten die bereits besiegt wurden, wieder in das Land gebracht werden. Diese Theorie wurde vor kurzem an der Ostgrenze durch mehrere kleine Masernepidemien bestätigt.

Das Gesundheitssystem muss sich auf die Bedürfnisse und Risiken von Menschen aus unterschiedlichen Gesundheitskulturen einstellen. In diesem Bereich spielt die Universität Pécs auf europäischer Ebene eine wichtige Vorreiterrolle. Wie István Szilárd betonte, lernen hunderte von ungarischen und ausländischen Studenten in Pécs jedes Jahr die Migrationsgesundheit kennen. Dies ist einzigartig auf dem Kontinent. Ganz zu schweigen von dem vom Pécser Konsortium entwickelten Fachkurs für Migrationsgesundheit. Um das Wissen in der Praxis anzuwenden, besteht neben den qualifizierten Experten ein großer Bedarf an internationalen, aktuellen und zuverlässigen Gesundheitsdatenbanken; dies ist eine der wichtigsten Lehren der Migrationskrise.

Beispielland Ungarn

Paradoxerweise ist die Immunisierung durch ihren eigenen Erfolg bedroht, denn nachdem die Industrieländer dank der Impfungen mehrere Generationen lang nicht mit Infektionskrankheiten konfrontiert waren, sehen viele Eltern Impfungen als unnötige Belastung, ganz zu schweigen von den verschiedenen Verschwörungstheorien, die sie umgeben. Deshalb hat sich die Zahl der Impfungen in Westeuropa und in den USA erheblich verringert. Dies führte zu mehreren Epidemien mit Todesfällen, die sonst hätten vermieden werden können.

Dr. Beatrix Oroszi, Expertin des Ungarischen Nationalen Gesundheitsinstituts betonte jedoch, dass eine der wichtigsten Lehren des 21. Jahrhunderts im Gesundheitswesen darin besteht, dass wir die Infektionskrankheiten nicht loswerden, sondern nur einschränken konnten. Die gute Nachricht ist, dass in Ungarn immer noch ein hohes Maß an Impfdisziplin gibt; die Schutzimpfungen liegen bei über 99 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Neben den Infektionskrankheiten hat Beatrix Oroszi ein weiteres Themengebiet hervorgehoben, in den Impfungen eine wichtige Rolle spielen können, nämlich die Krebsprävention. Im Kampf gegen Gebärmutterhalskrebs, der durch Virusinfektionen verursacht werden kann, wurden große Fortschritte erzielt, indem die freiwillige Impfung auch bei den am stärksten benachteiligten Gruppen kostenlos angeboten wurde.

Ergebnisse in Pécs

Der sozioökonomische Aspekt ist von entscheidender Bedeutung, betonte Dr. Zsuzsanna Orsós, Wissenschaftlerin der Universität Pécs, in ihrem Vortrag. In ihrer Arbeit erforschte sie die Immunisierung der Roma-Bevölkerung. Im Falle der Pflichtimpfungen stimmen die Daten mit der der Mehrheitsgesellschaft überein, fallen diese Daten bei den freiwilligen, überwiegend kostenpflichtigen Impfungen wesentlich geringer aus. Die Teilnehmer waren sich einig, dass diese Faktoren die Chancengleichheit in der Gesundheitsversorgung grundlegend beeinträchtigen und weitere Untersuchungen und Maßnahmen erfordern.

Ähnlich ist die Forschung von Professor Péter Németh und von Frau Dr. Katalin Böröcz, beide Forscher der Abteilung für Immunologie und Biotechnologie an der Medizinischen Fakultät. Ihre Arbeit konzentriert sich auf die langfristige Wirksamkeit der Impfungen. Bestimmte Arten von Impfstoffen bieten nach einiger Zeit keinen vollständigen Schutz, was ernsthafte Risiken für das, mit Infektionskrankheiten in Kontakt kommendes Gesundheitspersonal, oder in den Kreisen der gefährdeten Bevölkerungsgruppen (hohes Alter, schwer Kranke). Es ist zu hoffen, dass der, von den Pécser Forschern entwickelte Test in der Lage sein wird, die potenziellen Risiken auf kosteneffiziente und einfache Weise aufzudecken.

Die Universität Pécs kann in einem anderen, sehr wichtigen Bereich eine führende Rolle spielen, nämlich bei dem Gesundheitscheck der ausländischen Studenten, die in Ungarn studieren. Ungefähr fünftausend ausländische Studenten studieren nur in Pécs, landesweit erreicht diese Zahl zehntausende, während ihre medizinische Untersuchung völlig nebensächlich ist. Wie Dr. Antal Tibold in seinem Vortrag berichtete, erstellte eine Universitätsarbeitsgruppe nach einem TBC-Fall, der sich glücklicherweise als isoliert erwies, einen umfassenden Vorschlag für die Untersuchung ausländischer Studenten. Geplant ist, ein Verfahren auf nationaler Ebene daraus zu entwickeln. Das von den Teilnehmern unterstütztes Konzept kann von entscheidender Bedeutung sein, um mögliche Epidemien zu verhindern.

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